So weit lassen wir es nicht kommen, oder?

Am Wochenende hat das Darmstädter Echo dem Ehrenamt, Schattenseiten und Problemen, eine ganze Seite gewidmet. Als Beispiel dient ein Sportverein, der vor der Auflösung steht, weil sich kein neuer Vorstand, drei Personen schreibt das Vereinsrecht vor, finden lässt. Eine interessante, wenn auch eher schmerzhafte Lektüre, besonders dann, wenn im Verein die Jahreshauptversammlung ansteht und weiter unklar ist, ob sich Kandidaten für die Neuwahl des Vorstandes zur Verfügung stellen werden.

Sollte der Trost, den wir aus dem Artikel schöpfen, sein, dass wir nicht allein sind, dass es allen so geht, dass sich die Gesellschaft wandelt, wir alle individuellere Bedürfnisse haben und darüber egoistischer werden? Für meinen Club mag ich das nicht glauben. Zu viel Kraft und Energie habe ich in den vergangenen Jahren erlebt, zu viel Freude am gemeinsamen Sport – und ja, am Gemeinschaftserlebnis.

Der Kommentar, der dem Echo-Artikel beigestellt ist, umreißt die Aufgabenstellung schon richtig. Es sind viele Talente und Fähigkeiten für den Vorstandsjob gefordert und auch die Verantwortung, die besonders die geschäftsführenden Vorstandsmitglieder übernehmen, darf nicht kleingeredet werden. Insgesamt sind die Aufgaben über die Jahre anders, auch bürokratischer, geworden. Andernorts wird für vergleichbare Tätigkeiten Gehalt bezahlt. Aber sollte sich darüber allein die Zukunft eines Vereins entscheiden?

Alle Aufgaben sind lösbar. Mit einem guten Team – auf eine bestimmte, begrenzte Zeit bestimmt (!) – macht der Job sogar Freude und Freunde. Warum also die Zurückhaltung? Vermutlich haben wir einfach noch nicht den richtigen Zuschnitt gefunden für mögliche Interessenten. Vielleicht ist auch das Bild der zu erledigenden Jobs noch unklar. Nur soviel an dieser Stelle: Wenig ist fix, sehr viel frei gestaltbar, an den Bedürfnissen der Mitglieder entlang, aber vor allem an denen des Vorstands. Wer macht, gestaltet. Bis zur Wahl ist noch Zeit und auch eine Diskussion im Rahmen der Jahreshauptversammlung kann helfen, das passende Modell für die Zukunft des TCE zu finden. Solange es noch Gespräche und Diskussionen gibt zur Sache, ist es nicht zu spät. Und je mehr Mitglieder sich an der Diskussion beteiligen, desto besser wird das Ergebnis.

Darmstädter Echo, 16.02.2019, S. 23

3 Gedanken zu „So weit lassen wir es nicht kommen, oder?

  1. Der Echo – Artikel ist – juristisch – eine Zumutung gewesen, weil schlicht falsch. Kein Vorstandsmitglied haftet persönlich, es sei denn bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit.
    Der Verein ist eine Solidargemeinschaft. Wer sich ehrenamtlicher Tätigkeit, insbesondere auch im Vorstand, entzieht (die Argumente dafür, gebetsmühlenartig wiederholt, kennen wir alle), schadet nicht nur der Solidargemeinschaft, sondern genauso sich selbst.
    Die Solidargemeinschaft des TCE ist heute nicht brüchiger, als vor 10, 20, 30, 40, 50, Jahren. Wer sich nicht traut, wer Ausreden hat, kann kein Spiel gewinnen. Und ist in der Solidargemeinschaft eines Vereins eigentlich kein Mitglied, sondern ein Verbraucher.

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